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Stories     by Isabella in german
   

 

 

Info:

1 Knoten= 1,852 km/Std.
1 nautical mile= 1,852 km
1 land mile= 1,609 km 

  Stories  French Polynesia

25.5. - 14.6.08: Pazifikbesegelung Galapagos - Marquesas

 

25.5. - 14.6.08: Pazifikbesegelung Galapagos - Marquesas

Zu was habe ich mich da überreden lassen? Uahhh, 3000 nm = 5556 km per Segelyacht über den Pazifischen Ozean. Tag und Nacht unterwegs, Wache schieben im 3 Stunden Abwechslungstakt, nur Wasser, Wellen, Wind, Sonne, Mond und Sterne. Wenn ich ehrlich bin; ein wirklich unangenehmer Gedanke…

Wir segelten von der Insel Isabela, Galapagos an einem Wolken verhangenem Tag los. Sobald wir die Insel für einige Stunden hinter uns gelassen hatten, zeigte sich die Sonne wieder. Das Wetter meinte es gut mit uns und wir segelten bei ruhiger See und 10 Knoten Wind von Südost Richtung Westen. Es dauerte keine 24 Stunden machte sich der reparierte Autopilot bemerkbar mit einem Drivestop-Alarm. SUPER!!! Bei Umschaltung auf Standby (Handsteuerung) und wieder zurück auf Automatic funktionierte der Autopilot für weitere 5 Minuten. Danach wieder Piepsalarm mit der Angabe Drivedstop. Eine Abblasung der Pazifikbesegelung stand nicht zur Diskussion, denn wir besassen einen neuen CPU Computer des Autopiloten, den Tim von Amerika mit den Transistoren bestellt hatte. Tim war den ganzen Tag beschäftigt den neuen CPU einzubauen. Ich handsteuerte einmal mehr für etliche Stunden. Hatte ja inzwischen Übung. Die Reparatur war erfolgreich und wir setzten unsere Reise fort. Ohne einen Autopiloten hätte ich mich strikte geweigert weiter zu segeln.

Die ersten paar Tage vergingen mit angenehmer Brise und ruhiger See. Nach meinen Berechnungen benötigten wir für die 3000 nm bis zu den Marquesas ca. 21 Tage mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 6 Knoten/Std. Nach einer Woche hatte ich schon mehr als genug von nur Wasser um mich herum. Dazu kam noch, dass das Wetter umschlug. Wir hatten 20-24 Knoten Wind und ein Wellengang von 10-12 Fuss. Das Meer glich einem brodelnden Hexenkessel. Aus 3 Richtungen, Süd, Südost  und Ost liefen die Wellen auf Camissa zu. Die wechselnden Strömungen waren auch nicht gerade zu unserem Vorteil. Einmal segelten wir mit der Strömung, einmal dagegen und ein andermal drückte uns die Strömung seitwärts. Kein Wunder war das Meer völlig aufgewirbelt. Harte Arbeit für den Autopiloten, den wir durch Handsteuerung zeitweise entlasteten.  Die unbändigen Wellen schlugen hart zwischen den beiden Kielen des Katamarans auf. Es hörte sich jedes Mal wie eine Explosion an, das Boot bebte. Alle Gegenstände, die nicht befestigt waren, wurden hoch geschleudert. Schlafen bei den rauen Bedingungen war sehr schwierig, teilweise unmöglich. Denn gerade wenn ich einnickte, schlug wieder eine Welle von unten ein und hellwach war ich aufs Neue. Wenn es die Wetterverhältnisse zuliessen, schliefen wir abwechslungsweise immer im Cockpit. Dort übertönte das laute Rauschen der Wellen die donnernden Schläge ein wenig. Anstrengend war, Tag und Nacht im 3 Stunden Abwechslungstakt, Wache am Helm (Steuer) schieben. Ich sehnte mich danach wieder einmal in einem Bett eine Nacht ruhig durchschlafen.

Ist ja klar, dass bei solchen Verhältnissen nicht alles rund läuft. Zweimal zermuselte uns der Impeller des Starbordmotors. Das ist ein Teil, das nötig ist um Wasser zum Kühlen in den Motor zu pumpen. Beim 2. Mal wechselte Tim die ganze Pumpe aus. Zum Glück hatten wir eine Ersatzpumpe an Bord. Durch die rauen Seeverhältnisse bekam der Dieseltank eine undichte Stelle und das Innere des Bootes roch ziemlich unangenehm. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass soviel kaputt gehen kann auf einem Boot. Ist auf jeden Fall viel schlimmer als bei einem Haus.  

Hightlights waren der Fang von 2 Thunfischen mit einer stolzen Länge von 1 Meter, einem 80 cm und einem 1 Meter langen Dorado. Tim würzte und legte einige Filetstreifen in verschiedene Marinaden und trocknete die einzelnen Stücke an der Sonne. Dabei bespritze er jede Stunde den Dörrfisch mit Meerwasser. Man kann sich das so vorstellen, wie “Mostbroeckli” vom Fisch. Mmmhhh, war das lecker! Ich bereitete Sushimi und Ceviche zu. Wir genossen gekochten Thunfisch und Dorado in verschiedenen Variationen. Fleisch war während der ganzen Überfahrt kein Thema und bei den feinen Fischgerichten vermissten wir nicht mal ein köstliches Rindfleischfilet.

Nachts bewunderte ich oft den Sternenhimmel und staunte, wie hell er bei einer klaren Nacht strahlt. Wenn ich meine Wache schob, fühlte ich mich manchmal so völlig alleine und verlassen. Auf der ganzen Strecke trafen wir nur auf 2 Fischerboote und 2 grosse Frachter. Wie angenehm war es, wenn mir auf einmal ein Schwarm Vögel Gesellschaft leistete oder einige Delfine vorbei kamen und am Bug mit den Wellen spielten. Wenige Male näherten sich Haie. Sie schwammen gemütlich knapp unter der Wasseroberfläche, so dass nur die beiden Rückenflossen sichtbar waren.

Jeden Tag freute ich mich auf das Pacific Island Net auf 14135 um 2.00 Uhr UTC, das von Günter aus Deutschland, der schon viele Jahre in Contadora den Las Perlas Inseln von Panama lebt, mit einer grossen Leidenschaft geführt wird. Er betreut Segler, die unterwegs oder an Ankerplätzen sind. Die Längen- und Breitengrade, sowie die Wetterverhältnisse werden per Funk durchgegeben und von Günter niedergeschrieben, Probleme werden  behandelt und gemeinsam nach Lösungen gesucht und ein wenig humorvollen small talk darf auch nie fehlen.

Nachdenklich stimmte mich folgender Notfall auf dem Cruiser Net. Der 600 nm von uns  entfernte österreichische Katamaran Slypneer erlitt durch Rammung eines Baumstammes und die rauen Seebedingungen, Wind zwischen 20 und 24 Knoten, über 4 m Wellen aus 3 verschiedenen Richtungen 3 Risse und das Wasser lief ins Boot. Super! Hier auf dem riesigen, leeren Pazifik  musst du dir in erster Linie selbst helfen. Es ist nicht wie in der Karibik, wo du jederzeit der Coast Gard funken kannst und sie eilen herbei um dich abzuschleppen. Auf dem Net und auf anderen Funkfrequenzen wurde eine australische Yacht ausfindig gemacht, die der zu sinken drohenden, österreichischen Yacht am nächsten war. Die australische Yacht hat sofort Kursänderungen vorgenommen und eilte der Slypneer entgegen. Die Risse wurden notfallmässig abgedichtet und im Parallelkurs sind die beiden Yachten mit reduzierter Geschwindigkeit zu den Marquesas gesegelt.

Ich nahm mir soviel vor, was ich alles erledigen wollte, während der langen Segelreise. Aber mit Mühe und Not war ich fähig, die nötigsten Arbeiten zu erledigen. Ich litt oft unter Schlafmangel und fühlte mich dadurch völlig energielos. Das Kochen bei hohem Wellengang bereitete mir die grösste Anstrengung. Zum Glück hatte ich einige Gerichte vorgekocht, Brot vorgebacken und tiefgekühlt.

Selbstverständlich darf bei einer Pazifikbesegelung mit den konstanten Ost Trade Winden das Spinackersegeln nicht fehlen. Bei wenig Wind gibt’s viel Speed und funktioniert perfekt, da die Winde selten wechseln. Als wir das Asy Reacher Segel aufzogen, auch eine Art Spinacker bei seitlichem Wind anwendbar und Tim nicht verzichten wollte einen Fisch zu fangen, waren Probleme voraussehbar. Wie es der Zufall denn wollte. Ein 80 cm langer Dorado biss an. Ich erklärte mich sofort bereit den Fisch einzuholen, denn ich hatte keine Ahnung, wie man die Geschwindigkeit mit einem Spinacker drosselt. Ich überliess diese Aufgabe Tim. Es ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Somit versuchte er alleine das Reacher Segel einzuholen. Ich lag mich ganz schön ins Zeug und holte den Fisch schnell ein. Nun brauchte ich jedoch seine Hilfe um ihn aufzuhaken, damit er nicht entfliehen konnte. Tim kam mir zu Hilfe und der Fisch wurde sicher an eine Leine gehängt. Ach, oh Schreck! Die Reacherleine um das Segel herunter zunehmen hat sich selbstständig gemacht und sich in einer Leine 2,5 m über uns verfangen. Tja, wie nun die Leine wiederkriegen? Tim versuchte die Leine per Bootshaken zu ergattern und landete dabei beinahe im Wasser. Nein, so nicht! Wir befestigten eine zusätzliche Leine und zogen diese zu zweit mit voller Kraft so weit als möglich herunter. Leider war's nicht genügend. Unter Motor fuhren wir ein Manöver, damit das Segel kollabierte. Ich versuchte Camissa so im Wind zu halten, damit Tim die verfangene Leine entfitzeln konnte. Mit viel Anstrengung gelang es ihm schliesslich. Wir zogen die Hülle über das Segel, entwirrten alle Leinen und zogen es wieder herauf um damit weiter zu segeln. Es ist sicher fragwürdig, ob sich so ein Stress lohnt. Mit einem Reacher erreicht man eine bis zu 2 Knoten höhere Geschwindigkeit als mit dem Vorsegel. Wir waren völlig erledigt und erschöpft. In Zukunft ist es sicher besser sich auf eine Sache zu konzentrieren und nicht alles auf einmal wollen, entweder Spinacker segeln oder fischen mit Genoasegel, mit dem es einfacher ist die Geschwindigkeit zu drosseln. Ein köstliches Fischdinner liess uns die Strapazen des Tages vergessen.

Nach 20 Tagen, 3000nm auf See, endlich das ersehnte Land in Sicht! Ahhh, wie herrlich die Vulkanberge von Fatu Hiva zu erblicken!!! Kein Leben mehr im 3 Stundentakt, nachts in einem Bett durchschlafen, sich in aller Ruhe duschen, etwas Gutes kochen und essen. Das nenne ich Luxus PUR!

 

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