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Info:

1 Knoten= 1,852 km/Std.
1 nautical mile= 1,852 km
1 land mile= 1,609 km 

  Stories  New Zealand

13.11. - 25.11.08: Pazifikbesegelung Tonga - Neuseeland

 

13.11. - 25.11.08: Pazifikbesegelung Tonga - Neuseeland

Für unsere Pazifikbesegelung fehlten noch die letzten 1000 Meilen nach Neuseeland. Wieder einmal hiess es im 3 Stundentakt zu leben. 3 Stunden ON (am Steuer), 3 Stunden OFF (Ruhezeit) für über 1 Woche nonstop Tag und Nacht segeln. Ich versuchte zusätzliche erfahrene zuverlässige Crew zu finden für diese schwierige Strecke. Am liebsten wäre ich sowieso nach Neuseeland geflogen, aber ich musste selbst daran glauben, denn meine Suche blieb erfolglos.

Innerhalb 2 Tagen sind beinahe 80 Segelboote von Nukualofa, Tongatapu  nach Neuseeland aufgebrochen. Eine der gefürchtesten Segelstrecken der Welt, durch die bekannten stürmischen 40 Knoten Westwinde. Endlich hatte sich der starke Wind in Nukualofa gelegt und das Meer war nicht mehr ein brodelnder Kochtopf. Leider fast zu ruhig! Nach 2 Tagen nonstop motoren, entschieden wir uns im Minerva Riff, einem Atoll  260 Meilen südwestlich von Nukualofa auf Wind zu warten. Diese Idee ging andern anscheinend auch durch den Kopf und innerhalb 2 Tagen füllte sich das Atoll mit 20 Segelyachten.

Tauchen in der Pass Einfahrt war Genial. Ich habe auf dem ganzen Segeltrip im Pazifik keine so schönen Korallen gesehen. Fische hatte es in einer solchen Überzahl, dass auch der schlechteste unerfahrenste Fischer einen Fisch angeln konnte. Wir verbrachten 4 Tage in diesem Atoll bis uns der deutsche Routenberichter auf dem Net (Single Side Band Radio = Funk) den Startschuss für die Weiterfahrt erteilte. 10 Segelboote brachen auf, um weitere 820 Meilen bis nach Neuseeland hinter sich zu bringen. Anfangs wehte der Wind von Südwest, somit hiess es; Kurs hart am Wind nach Westen, nicht Direktkurs nach Neuseeland. Der Wind drehte innerhalb 12 Stunden immer mehr nach Süden und weiter nach Südost. Dies war uns willkommen, dadurch blieb es uns erspart allzu hart am Wind zu segeln, denn anfangs knallten die Wellen gegen das Boot und vielfach über das Boot ins Cockpit. Schlafen war bei diesen erschütternden, vibrierenden Schlägen unmöglich.

Wir wurden täglich betreut von dem deutschen Routenführer auf dem Net und wir hatten danebst noch unsere private Funkrunde mit anderen Seglern. Die Weiterfahrt entwickelte sich in eine Regatta. Über Funk wurden Positionen nicht mehr nur aus Sicherheit ausgetauscht, es wurde verglichen welches Boot das Schnellste ist und wie die vorderste Yacht am besten zu überholen wäre. Alles war erlaubt motoren, segeln oder Motorsegeln. Wie üblich verliessen wir das Minerva Riff als letztes Boot, da es immer viel vorzubereiten, kontrollieren und verstauen gibt. Innerhalb einem Tag hatten wir alle anderen Boote eingeholt und führten die Spitze an. Kairos, ein amerikanisches Monohaul  Segelboot war uns dicht auf den Fersen und hätte uns beinahe wieder eingeholt. Zu unserer Freude drehte der Wind am 2 Tag nach Norden. Ach wie herrlich downwind segeln, dh. der Wind kommt von hinten, das ist die angenehmste Art von Segeln, damit muss  ein Katamaran weniger Schläge einstecken. Da wir anfangs nach Westen segelten, konnten wir nun immer noch mit dem Haupt- und Vorsegel segeln. Wir erreichten Spitzengeschwindigkeiten von 10,5 Knoten. Da ging die Post ab!

Am 3. Tag erreichte uns die Schreckensmeldung von einer amerikanischen Yacht, die auch in unserer Regatta mitsegelte. Sein Routenmelder von Amerika kündigte für die kommenden Tage einen heraufziehenden Sturm an von 50-55 Knoten Wind und 8 m Wellen. Oh nein, das wollte ich nun wirklich nicht glauben und erleben. Aber ich wusste, dass man auf dieser unberechenbaren Strecke immer mit stürmischer See rechnen muss... Ich wusste auch, dass wenn 50 Knoten vorausgesagt werden, kann es schnell mal auf über 60 Knoten sein, somit Hurrikanstärke. Super…. Die Plauschregatta war vorüber. Alle Yachten bemühten sich soviel Wetterinformationen von verschiedenen Stellen aufzutreiben wie möglich. Es wurden Wetterfax herunter geladen, Wetter E-mails beantragt, mit dem Satellitentelefon an Meteostationen angerufen usw. Am darauf folgenden Tag bestätigte auch unser deutscher Wetterroutenführer den Sturm. Ok, gemäss allen Wettervorhersagen war Tatsache, dass der Sturm kommen wird! Was sollen wir machen? Die Funkgeräte liefen heiss. Wir sprachen verschiedene Möglichkeiten durch. Sollen wir beidrehen und den herannahenden Sturm Richtung  Neuseeland auf dem Meer abwarten, sollen wir zufahren, sollen wir den Kurs ändern.  Nach genauester Studie aller Wetterberichte entschieden wir uns Vollgas zu geben und so schnell wie möglich nach Neuseeland zu segeln, denn 3 weitere Kaltfronten waren im Anmarsch. Unser Routenführer teilte uns mit, dass wir mit unserer geschätzten Ankunftszeit: Sonntagnacht 23.00 Uhr, in Neuseeland genau in den Sturm mit 50 Knoten reinsegeln würden. Wir hofften nur noch, dass die Wettervorhersage falsch war.

2 Mal täglich waren wir gezwungen den Motor für 1 Stunde laufen zu lassen, damit wir den Kühlschrank, Tiefkühler und die Batterien laden konnten. Auf einmal versagte einer der Motoren. Er stoppte abrupt infolge Überhitzung. Durch die Stresssituation hatten wir der Temperaturanzeige keine Beachtung geschenkt. Toll, wir hatten schon bis zu 30 Knoten Wind und der Wellengang war auch nicht gerade eine Sonntagsfahrt. Trotzdem musste Tim in den Maschinenraum um herauszufinden, ob der Schaden behoben werden konnte. Er fand den Defekt, hatte aber leider nicht die entsprechenden Ersatzteile an Bord. Somit hofften wir, dass der Wind sich nicht nach Süden dreht, dadurch könnten wir nicht mehr Kurs nach Neuseeland nehmen. Die letzten paar Tage waren Psychoterror. Schaffen wir es vor dem Sturm ein zulaufen, wie sollen wir mit einem Motor am Quarantänedock anlegen, was wird uns erwarten??? Wir waren regelmässig mit jenen Booten in Funkkontakt und wir versorgten uns gegenseitig mit Wetterinfos. Unsere deutschen Freunde, die schon in Neuseeland angekommen waren, bemühten sich intensiv uns ein Abschleppboot zu organisieren. Da unsere Ankunftszeit auf die Nacht fiel, war dies unmöglich. Glücklicherweise erhielten wir mit Mühe und Not eine Spezialbewilligung, damit wir bei der Einfahrt in die Bay of Islands in einer geschützten Bucht ankern durften. Unser deutscher Routenführer betreute uns in unserer Ankunftsnacht und gab uns über Funk alle nötigen Koordinaten durch, nach welchen wir segeln sollten und wo wir mit einem guten Ankergrund sicher ankern könnten. Der Wind peitschte mit 36 Knoten übers Meer und die ca. 5 m hohen Wellen warfen die 18 Tonnen schwere Camissa wie ein Spielzeug vorwärts. Der Autopilot machte diese rauen Bedingungen nicht mehr mit. Tim steuerte die letzten 10 Stunden von Hand. Seine Augen brannten und waren rot unterlaufen vor Müdigkeit und vom peitschenden Wind und Regen. Die Nerven waren zum Zerreissen angespannt. Welche Freude, als wir es schafften Camissa bei immer stärker werdenden Winden und Wellen hinter einer geschützten Insel zu ankern. Völlig erschöpft fielen wir in einen tiefen Schlaf, dass wir nicht einmal realisierten, trotz Ankeralarm, dass der Anker nicht hielt. Am anderen Morgen staunten wir nicht schlecht, dass wir an einem neuen Ankerplatz aufwachten und nicht einmal in ein anderes Boot reingeknallt waren.

2 Tage warteten wir bis sich die Wetterlage beruhigte und wir nach Opua aufbrechen konnten um einzuklarieren. Die Behörden waren sehr freundlich, aber auch sehr streng. Jegliche Frischesswaren und Tiefgefrorenes, wie Früchte, Salate, Gemüse, Eier, Fleisch und auch Pflanzen wurden beschlagnahmt und weggenommen, damit niemand irgendwelche Krankheiten einschleppt.

In Opua  musste zuerst der Motor repariert werden, bevor wir weitersegeln konnten nach Auckland unserem Endziel! 

 

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